PANDEMIE UND AUSBILDUNGSSTART – WIE PASST DAS ZUSAMMEN?

Wir haben in Ausbildungsbetrieben nachgefragt

Trotz Corona starten auch dieses Jahr im September viele Auszubildende in einen neuen und wichtigen Abschnitt ihres Lebens.

Wir haben vier Vertreter aus mittelständischen Betrieben gefragt, inwiefern sich bei ihnen die Pandemie auf das Recruiting ausgewirkt hat und was Sie von ihren zukünftigen Lehrlingen erwarten.

 

Unsere Gesprächspartner:

Martina Betz ist Verkaufsleiterin der Oberstdorf Event GmbH. Oberstdorf Event ist Ansprechpartner für die Organisation von Tagungen, Seminaren, Workshops und Teamevents sowie Reservierungszentrale und Marketingabteilung diverser Hotels in Oberstdorf und dem weiteren Allgäu.

Christian Treier ist Personalreferent im kaufmännischer Bereich & der Aus- und Weiterbildung der Printus GmbH. Printus ist Deutschlands Nr. 1 im Versandhandelsmarkt für Bürobedarf mit Sitz in Offenburg.

Julia Bertele ist aus der Personalabteilung des AÜW. Das Allgäuer Überlandwerk ist ein regionales deutsches Energieversorgungsunternehmen, dessen Versorgungsgebiet sich auf das gesamte Allgäu erstreckt. Der Unternehmenssitz ist Kempten.

Peter Schmidt ist Prokurist bei der PCK IT Solutions GmbH in Kempten. Das Unternehmen bietet smart IT-Services, ganzheitliche Lösungen für den Betrieb von IT-Systemen, Backup- und Datenschutzkonzepte sowie die dafür notwendige IT-Infrastruktur.

 

Sind Sie aktuell noch auf der Suche nach Azubis?
Martina Betz: Ja, wir suchen auch fürs kommende Jahr wieder 1-2 Azubis. Wir bilden Veranstaltungskauffrauen/männer bei Oberstdorf Event aus.

Christian Treier: Nein wir haben alle Stellen für den Start am 1.9. bereits besetzt.

Julia Bertele: Für die Ausbildungsberufe „Elektroniker für Betriebstechnik (m/w/d)“, „Industriemechaniker (m/w/d)“ und „Industriekaufmann (m/w/d)“ konnten wir zum Ausbildungsstart im September 2021 glücklicherweise bereits alle freien Ausbildungsplätze besetzen. Für den Ausbildungsberuf „Fachinformatiker für Systemintegration (m/w/d)“ suchen wir aktuell noch nach einer/einem passenden Auszubildenden.

Peter Schmidt: Nein.

Wo und wie suchen Sie Ihre Azubis und hat sich Ihre Suchweise durch Corona verändert? 
Martina Betz: Wir suchen klassisch übers Arbeitsamt, zusätzlich auf jobs-im-allgäu und über die Azubibörsen im Allgäu, auf denen wir regelmäßig präsent sind. An sich hat sich die Suchweise aber nicht nachweislich geändert.

Christian Treier: Wir führen Vorstellungsgespräche online über Skype.

Julia Bertele: Wir haben auch dieser Jahr wieder an der Allgäuer Lehrstellenbörse teilgenommen, das hat bei uns schon Tradition. Der persönliche Kontakt zu den Besuchern ist für uns sehr wertvoll und wichtig. Leider konnte dieses Jahr die Lehrstellenbörse nicht als Präsenz-Veranstaltung durchgeführt werden, sondern nur virtuell im Rahmen einer digitalen Messe. Die Alternative zum persönlichen Gespräch war hier die LiveChat-Funktion, so konnten uns die Besucher schnell und einfach kontaktieren und sich zu den verschiedenen Ausbildungsberufen informieren. Insgesamt eine sehr gute Alternative, besonders unser Gewinnspiel wurde gut angenommen.Zusätzlich zur Allgäuer Lehrstellenbörse nutzen wir auch Social Media und „klassische Anzeigen“ in Zeitschriften und Magazinen, z.B. im IHK-Magazin „Lehre macht Karriere“. Einige Infoveranstaltungen in Präsenz, z.B. an Schulen, konnten leider nicht stattfinden. Schade ist auch, dass wir seit Sommer 2020 keine Schulpraktika mehr anbieten konnten. Diese zwei Themen sind für unser Ausbildungsmarketing sehr wichtig. Unsere Suchweise im Bereich „Ausbildung“ hat sich aufgrund von Corona dahingehend schon etwas verändert, vor allem mit Blick auf die fehlenden Präsenz-Veranstaltungen.

Peter Schmidt: Auf unserer Website, z. T. Anzeigen in Schulzeitschriften, z. T. Jobcenter – nein, die Suchweise hat sich  durch Corona bei uns nicht verändert.

Nützen Sie Social-Media-Kanäle für Ihre Suche? 
Martina Betz: Ja, auch das. Das haben wir aber auch schon vor Corona gemacht.

Christian Treier: Wir haben einen Azubi-Instagram-Kanal.

Julia Bertele: Ja, wir nutzen Instagram und Facebook.

Peter Schmidt: Ja, Facebook.

Worauf legen Sie bei Ihren zukünftigen Auszubildenden besonderen Wert?  
Martina Betz: Azubis müssen sehr kommunikativ sein, sie müssen Spaß haben auf andere Menschen zuzugehen, denn der Großteil unserer Arbeit besteht daraus, aktiv zu verkaufen, Gäste zu beraten, einfach aktiv auf sein Gegenüber zuzugehen. Sie sollten Spaß daran haben, selbstständig arbeiten zu dürfen und Verantwortung zu übernehmen und auch mal selbst über den Tellerrand hinausdenken wollen.

Julia Bertele: Wichtig ist uns, dass die Auszubildenden zu den Werten unserer AÜW- und AllgäuNetz-Familie passen und dass sie Team-Player sind. Natürlich sind uns auch Einsatzbereitschaft und Fleiß wichtig.

Peter Schmidt: Z.T. Schul- und Abschlussnoten, anständig, zuverlässig, arbeitswillig.

Haben sich Ihre Angebote für Azubis coronabedingt verändert, wie z. B. hin zu digitalem Lernen oder flexiblen Arbeitszeitmodellen?                                                                                                                                                                          

Martina Betz: Dadurch, dass wir Dienstleister sind, sind flexible Arbeitszeiten durch den Dienstplan eh gegeben. Aber wir können unsere Arbeit z. B. nicht von zuhause aus erledigen, sondern müssen im Büro sein.
Ich würde sagen, dass Corona dazu geführt hat, dass unsere Azubis noch schneller mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Natürlich nur, wenn sie wollen und sich dazu auch in der Lage fühlen. Aber sie übernehmen durch die Kurzarbeit der Kollegen durchaus mehr Aufgaben, die sie ansonsten erst z. B. im zweiten Lehrjahr gelernt hätten. Also toll für die Azubis, auch während Corona voranzukommen und wirklich etwas zu lernen. Wenn auch gerade nicht zwingend die Orga einzelner Veranstaltungen an sich, aber viele, viele andere spannende Projekte, die auch zu einer kaufmännischen Ausbildung gehören.

Christian Treier: Die Berufsschule hat den Unterricht digitalisiert. Wann immer möglich, sind die Azubis auch bei uns im HO.

Julia Bertele: Flexible Arbeitszeiten sind bei uns bereits seit einigen Jahren fest etabliert und auch eine E-Learning-Plattform sowie ein digitales Ausbildungsmanagement haben wir bereits vor der Corona-Pandemie eingeführt. Unsere Auszubildenden haben seit Beginn der Pandemie Zugang zu Microsoft Teams, so können sie auch virtuell untereinander und mit ihren Ausbildern in Kontakt bleiben.

Peter Schmidt: Nein, außer dass verstärkt Homeoffice gemacht wird. Unsere Azubis können sich remote „aufschalten“.

Wie heben Sie sich vom Wettbewerb ab, welchen speziellen Mehrwert bieten Sie Ihren zukünftigen Azubis?

Martina Betz: Wer bei uns Azubi ist, darf vom ersten Tag an Verantwortung übernehmen und eigenständig arbeiten – natürlich nach einer intensiven und sehr persönlichen Einarbeitung. Auch nach individuellem Lernprozess jedes einzelnen Azubis. Das intensive, sehr persönliche Einlernen zeichnet uns sicher aus! Wir zeigen dem Azubi nicht nur eine Aufgabe, sondern erklären auch die Hintergründe, sodass sie in kurzer Zeit selbst in der Lage sind, über eine Gastfrage zu entscheiden und lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu übertragen wir den Azubis eigene Projekte, die sie dann selbstständig erarbeiten und ausführen. Sie sind in ihrer dreijährigen Ausbildung in allen Abteilungen des Salesteams und schnuppern auch im Marketing eine Zeit lang rein und übernehmen dort Aufgaben.
Von all den Ausbildungsinhalten abgesehen, bieten wir als Arbeitgeber tolle Sachen: VIP-Pass, mit dem man 50% Bonus auf all unsere Hotelleistungen für sich und seine Familie bekommt. Das kostenfreie Übernachten in den Explorer Hotels, um die Regionen kennenzulernen, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Gesundheitsprämie und vieles mehr. Darüber hinaus bezahlen wir über Tarif und es gibt tolle Prämien für guten Schulnoten.

Christian Treier: Wir bieten eine umfangreiche Ausbildung in einem ständig wachsenden Unternehmen mit der - fast sicheren - Chance auf Übernahme.

Julia Bertele: Wir bieten unseren zukünftigen Azubis einen sicheren Ausbildungsplatz in einem modernen Unternehmen mit einem tollen Betriebsklima. Auf die Azubis warten spannende Aufgaben und Herausforderungen rund um das Thema „Energie“. Vor allem in der Technik können die Azubis bei uns viel draußen im Versorgungsgebiet unterwegs sein, beispielsweise bei der Montage von Freileitungsmasten oder bei der Verlegung von Erdkabeln.

Peter Schmidt: Langjährig auf dem Markt, gutes Betriebsklima, Büro und Equipment auf neuestem Stand, Betriebsausflüge und -Events etc.


Wir sehen, dass Corona durchaus auch bei Ausbildungsbetrieben einiges auf den Kopf stellt. Wir sehen aber auch, dass mit Anpassungsfähigkeit, Akzeptanz und guten Ideen eine Umstellung auf die veränderte Situation gelingt - hier wird die "neue Normalität" gelebt, in der Recruiting ganz selbstverständlich verstärkt online, virtuell und mithilfe von Social Media stattfindet. Wer im Allgäu jetzt noch auf der Suche nach einem tollen und spannenden Ausbildungsplatz ist, wird bei Oberstdorf Event und dem AÜW fündig. 

Vielen Dank an unserer Interviewpartner, dass sie sich in der aktuellen Situation die Zeit genommen haben, unserer Fragen zu beantworten und für ihr Engagement im Bereich Ausbildung.