Was sind die wichtigsten Veränderungen der Eventbranche in den letzten 20 Jahren?

Ein Interview mit Inke Scholz, Abteilungsleiterin faszinatour TRAINING EVENT SOLUTION

Beratung, Konzeption und die makellose Durchführung von Trainings und Events sind schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert Inkes Spezialität. Immer am Puls der Zeit nimmt sie aktuelle Trends auf und übersetzt sie gemäß der Zielsetzung ihrer Kunden in nachhaltige Formate mit hohem Emotionalisierungsgrad. Dabei fließt ihre breite Erfahrung aus unterschiedlichen Branchen und Kundenwünschen ein, sodass immer maßgeschneiderte Programme entstehen.

Wie haben sich Veranstaltungen/Events im Laufe der Zeit verändert?

Es hat sich einiges getan über die Jahre – oder Jahrzehnte (lacht). Anfragen erreichen uns kurzfristiger, die Buchungssituation könnte man als "spontan" beschreiben. Als Veranstalter muss man deshalb immer noch flexibler reagieren. Gefühlt wird für Veranstaltungen generell weniger Zeit eingeplant. Der Markt bietet für Kunden deutlich mehr Angebote und Vergleichsmöglichkeiten als früher, die Konkurrenz ist also direkt "nebenan". Jemand, der in eine Veranstaltung investiert, möchte seine Mittel effektiv und nachhaltig verwendet sehen, also mit spürbaren Auswirkungen. Und die inhaltliche Anbindung an Unternehmens-Themen spielt insgesamt eine immer größere Rolle.

Was sind die größten Unterschiede zwischen damals und heute?

Viele Kunden kommen schon mit einem breiten Erfahrungsschatz zu uns und bringen ihre eigenen Ideen mit. Wie schon vorher erwähnt, ist die Pitchsituation härter geworden, unter anderem eben, weil es für den Kunden immer leichter wird, Angebote einzuholen und zu vergleichen. Letztendlich bleibt es aber glücklicherweise immer noch dabei, dass durchdachte und professionelle Formate Begeisterung schaffen.                Als Entwickler von Konzepten muss man heutzutage mehr Beratungsleistung einbringen als früher. Und um glaubwürdig und sinnvoll zu beraten, sollte man gut über die Wirtschaft und den Markt an sich informiert sein.

Welche Fähigkeiten muss deiner Meinung nach ein guter Projektleiter/eine gute Projektleiterin mitbringen?

Für mich muss ein guter Projektleiter das "total picture" sehen, also das große Ganze. Er denkt stets (mindestens!) einen Schritt voraus und punktet unter allen Umständen mit Improvisationstalent. Perfekte Strukturiertheit und saubere Planung sind grundsätzliches Handwerkszeug. Im Vordergrund steht allerdings immer die enge Abstimmung mit dem Kunden, damit dieser letztendlich genau das bekommt, was er sich vorstellt.

Welche allgemeinen Tipps gibt es für eine gelungene Veranstaltung?

Erstellen Sie eine wirklich gute Planung auf Basis Ihrer genau formulierten Zielsetzung. Nehmen Sie rechtzeitig vorab Termine vor Ort wahr, um nicht bei der Veranstaltung selbst unliebsame Überraschungen zu erleben, wie fehlende Genehmigungen, unpassendes Gelände oder andere Stolpersteine. Was hat man nicht schon alles erlebt! Übergeben Sie die Arbeit an Profis, anstatt auf "handgestrickt" zu setzen, so sind Sie auf der sicheren Seite.

Welche Themen stehen aktuell bei Anfragen von Unternehmen besonders im Fokus?

Das sind im Grunde genommen Dauerbrenner, wie Kommunikation, Führung und Teamwork, jetzt aber mit Bezug auf die brandaktuellen Themen: Agilität, Unternehmenskultur, Mitarbeitermotivation und -bindung, Recruiting/ Employer Branding. Hoch im Kurs sind tagungsbegleitende Formate, die heute aber wesentlich interaktiver ausfallen müssen als früher und die leider schnell "ausgelutscht" sind. Veranstalter müssen deshalb ihr Leistungsportfolio ständig neu bestücken.

Wie können diese Themen am sinnvollsten behandelt werden?

Wir bei faszinatour stehen da ganz klar für unsere Methode "Erfahrungslernen" und das am besten outdoor. Dabei werden unterschiedliche Aufgaben im Team gelöst, am besten in der freien Natur als Kontrast zum Job. Die Erkenntnisse aus den erlebten Gruppenprozessen lassen sich prima in den Arbeitsalltag übertragen und wirken dort lange weiter, weil sie selbst "erfahren" wurden und nicht nur von außen erklärt.      Natürlich muss im Verlauf einer Veranstaltung auch genügend Raum bleiben, damit die relevanten Themen ihren Platz finden. Ein Programm sollte nicht durch Fülle punkten, sondern vor allem durch bleibende Effekte. Wie wir es gerne formulieren: Programme mit Sinn und Wirkung.

Der Trend geht immer mehr zu "sinnhaften" Events und Tagungen, von denen etwas bleibt. Was zeichnet deiner Meinung nach solch eine Veranstaltung aus?

Anstatt sinnfreier Bespaßung muss als Return on Investment unbedingt ein echter Mehrwert für die Teilnehmer und das Unternehmen entstehen. Inhalte sollten "spielerisch" gemeinsam erarbeitet werden. Dazu setzen wir am liebsten moderne, partizipative Formate ein, um Wissen zu erarbeiten und zu vermitteln.

Was sind Deine ganz persönlichen Stärken?

Es ist ja immer so eine Sache, sich selbst zu beurteilen (runzelt die Stirn). Ich würde sagen: Strukturiertheit, Improvisationstalent, Entscheidungs- und Reaktionsschnelligkeit und das Ganze kombiniert mit sehr, sehr viel Erfahrung.

Welche Veranstaltung ist dir ganz besonders im Gedächtnis geblieben?

In 28 Jahren sind das natürlich ganz viele – zum Glück eine Menge High- und sehr wenige Lowlights. Als besonders gelungen erinnere ich mich gerne an eine Aktion mit über 200 Teilnehmern, die auf unterschiedlichsten Wegen einen Allgäuer Berggipfel erklommen, dort ein wunderbares Picknick hatten und sich danach farblich sortiert aufstellten, um ihr eigenes Firmenlogo darzustellen. Dieses wurde dann – Überraschung! – vom Hubschrauber aus fotografiert. Der große Jubel, die super Stimmung und das tolle Feedback bestätigten, dass wir alles richtig gemacht hatten.

Was denkst du, wie sich die Eventbranche in den kommenden Jahren verändern wird?

Ich glaube, dass zur Vor- und Nachbereitung von Veranstaltungen vermehrt digitale Methoden genützt werden. Allerdings glaube ich nicht an die "totale Digitalisierung": die Qualität des realen Miteinanders wird sich erhalten – der persönliche Kontakt ist nicht mit dem virtuellen zu ersetzen. Kennt man sich einmal "live", ist z. B. eine Videokonferenz eine super Ergänzung und vor allem ökonomischer, als ein Treffen, zu dem alle extra anreisen müssen. Bei den Programmen fände ich insgesamt eine Entschleunigung schön, um Raum zum "Durchschnaufen" zu schaffen. Vielleicht hilft uns der Trend "Achtsamkeit" in diese Richtung zu denken.

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