13.09.2018 Aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen

Branche: Industrie und Anlagenbau – Gerüstbau
Ansprechpartner: Herr T. Rath, technischer Ausbildungsbetreuer
Teilnehmer: 28 Auszubildende, 3 Betreuer

In jedem Jahr veranstalten wir für unsere neuen und „alten“ Auszubildenden einen gemeinsamen Azubi-Ausflug im Workshop-Charakter. Dabei legen wir Wert darauf, dass es keine rein theoretische Angelegenheit wird, die unsere Auszubildenden schnell langweilt, sondern immer auch mit einem bleibenden Erlebnis verbunden ist und allen Spaß macht. Der Ausflug soll schließlich dazu dienen, dass sich alle besser kennenlernen und Vertrauen zueinander aufbauen, ein Wir-Gefühl entsteht, Teambuilding stattfindet und auch die persönliche Entwicklung einzelner gefördert werden kann.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf ein Angebot des Allgäuer Outdoorveranstalters faszinatour. Die Programmideen auf der Website und der professionelle Erstkontakt hatten mich überzeugt. Gemeinsam besprachen wir einige Monate vor dem geplanten Termin die Hintergründe und Zielsetzungen des Azubiworkshops. Im Zentrum sollte das Sender-Empfänger-Modell „Vier Seiten einer Nachricht“ nach Schulz von Thun stehen. faszinatour brachte vielseitige Ideen zur Umsetzung des Modells in praktischen Übungen mit ein und erstellte uns ein Tagesprogramm mit einem Indoor-Teil am Vormittag und Outdoor-Programm am Nachmittag.

Wir trafen uns an einem Donnerstagmorgen Mitte September auf einer abgelegen, urigen Hütte am Riedbergpass. faszinatour hatte die Location vorgeschlagen und nicht zu viel versprochen. Mitten im Grünen fanden wir im gemütlichen Aufenthaltsraum der Hütte die nötige Ruhe für den theoretischen Teil und im direkten Umfeld der Hütte Wiesen und Wälder, die wir für den praktischen Teil nutzen konnten.

Zunächst begrüßten uns die beiden sympathischen faszinatour Trainer mit einem auflockernden Kennenlernspiel. Danach erklärten sie uns anhand einiger vorbereiteter Flipcharts das Kommunikationsmodell „Vier Seiten einer Nachricht“, welches auch als „Vier-Ohren-Modell“ bekannt ist. Es beschreibt, dass Sender und Empfänger Nachrichten auf vier unterschiedliche Arten versenden und empfangen bzw. hören können. Man unterscheidet daher vier Ebenen: Sach-/ Inhaltsebene, Apell, Beziehungsebene, Selbstoffenbarung. Die Trainer veranschaulichten die vier Unterschiede an einem Beispiel, bevor die Auszubildenden selbst in Zweierteams weitere Beispielsätze als kleine praktische Kommunikationsübungen durchspielen sollten. Manche präsentierten anschließend in kurzen Rollenspielen ihre Erkenntnisse.

Nach einem deftigen Allgäuer Mittagessen setzten wir den Tag draußen in zwei kleineren Gruppen fort. Die Trainer hatten einige interessante Kommunikationsaufgaben für die Teams vorbereitet und die entsprechenden Materialien dafür im Gepäck. Zunächst starteten die Teams mit der Tangram-Übung. Hierbei drehen sich Sender und Empfänger voneinander weg. Zwei Personen (Sender) sehen eine fertige Figur aus geometrischen Formen vor sich und müssen dem restlichen Team (Empfänger) erklären, wie die Figur aus den einzelnen Teilen zusammengebaut werden muss. Hierbei kommt es auf das richtige Verständnis zwischen den beiden Seiten an. Mit jeder Figur und wechselnden Sendern wurden die Ergebnisse sichtbar besser, was auch die Auszubildenden in der anschließenden Reflexion erkannten.

Bei der nächsten Übung mussten sich die beiden Teams jeweils auf einem ausgelegten Seil in einer Reihe aufstellen. Nun sollten sie sich anhand ihrer Postleitzahl aufsteigend neu auf dem Seil anordnen, ohne das Seil mit den Füßen zu verlassen. Eine enge und wackelige Angelegenheit, die für Gelächter sorgte, aber am Ende recht gut funktionierte. Anschließend mussten sich die Auszubildenden in den nächsten Runden jedoch stumm nach vorgegebenen Kriterien, wie z. B. ihrem Alter, wieder neu anordnen. Nach mehreren stummen Runden wurden gemeinsam die Schwierigkeiten dieser Übung reflektiert und Learnings daraus gezogen.

Für eine weitere Übung mussten alle Auszubildenden Augenbinden tragen. Beim sogenannten „Blinden Quadrat“ war es ihre Aufgabe, mit verbundenen Augen aus einem langen Seil ein Quadrat zu legen. Schnell zeigte sich, dass die beiden Teams in der Planungsphase zu dieser Aufgabe auf unterschiedliche Taktiken setzten und am Ende nur bei einem Team ein erkennbares Quadrat herauskam. In der anschließenden gemeinsamen Reflexion wurden die erfolgreichen und weniger erfolgreichen Kommunikationstechniken mit den Trainern nochmals diskutiert.

Nach dem erlebnisreichen Nachmittag, der mit vielen solcher Übungen gespickt war, fuhren wir mit den gewonnenen Eindrücken und Aha-Effekten im Gepäck in unser Hostel, wo ein Abendessen und gemeinsamer Ausklang auf uns wartete. Am zweiten Tag setzten wir unseren Azubi-Ausflug ohne faszinatour fort, kamen im Lauf des Tages aber immer wieder auf die Ergebnisse des Vortages zurück.

Die reflektierten Erlebnisse wurden bis in unser Unternehmen zurückgetragen. Ich bemerkte bei einigen meiner Auszubildenden, dass sie aktiv versuchten, Kommunikationsfehlern vorzubeugen und besser aufeinander eingingen. Außerdem sahen sie sich nach dem Ausflug wieder mehr als Team und hatten auch die neuen Auszubildenden schnell integriert.

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