05.07.2018 Fernbeziehung mit Hindernissen findet inspirierende Kontaktpunkte

Branche: Maschinenbau – Forschung und Entwicklung
Ansprechpartner: Herr N. Vettersen, Teamleiter Forschung und Entwicklung
Teilnehmer: neues, internationales Projektteam aus 24 Personen

Eine Umstrukturierung unseres Unternehmensbereichs „Entwicklung“ versetzte mich in die Position, ein neu geschaffenes High-Performer-Team führen zu dürfen. Damit stand ich aber natürlich auch vor der Herausforderung, dieses Team so rasch und effektiv wie möglich zu einem tatsächlich arbeitsfähigen Team zu machen – idealerweise zu einer Art Superteam, da die anstehenden Aufgaben drängten. Was tun? Ich hörte mich bei meinen Kollegen um und bekam den Tipp, mich an faszinatour zu wenden. Die entsprechende Webseite macht mich zuerst einmal skeptisch: Was für ein sonderbarer Firmenname, dazu „Erfahrungslernen“, „Outdoor-Events“, „Networking-Formate“ – das klang für mich nach lustigen Kindergartenspielchen im Freien. Da mein Kollege aber durchaus ernsthaft schien, griff ich spontan zum Hörer, rief bei faszinatour an und schilderte die Situation: Ein brandneues, international zusammengewürfeltes Team, die Mitglieder sehen sich nur selten live, die meiste Kommunikation würde zukünftig online per Videokonferenz, per Chat und per E-Mail erfolgen, die Aufgaben wären komplex, die Erfahrungshorizonte inhomogen und die kulturellen Hintergründe sehr divers. Wenn ich mir selbst so zuhörte eigentlich eine totale Killer-Kombination. Am anderen Ende der Leitung traf ich auf nichts als Verständnis. Umgehend skizzierte man mir einen groben Programmvorschlag mit direktem Bezug zu meiner Problematik, die plötzlich gar nicht mehr so problematisch wirkte. Schon die Tatsache, dass ich mit meinen Themen nicht alleine dastand, beruhigte mich.

Wir einigten uns nach ein paar Abstimmungsschleifen auf ein Teamtraining von zweieinhalb Tagen Dauer. Enthalten wären theoretische und praktische Anteile, das Ganze sollte in Englisch moderiert werden und auf folgende Themen mussten die faszinatour Trainer eingehen: Kennenlernen, Vertrauen aufbauen, Kommunikationsgrundlagen schaffen, Vorurteile abbauen, Schnittstellenverluste von Beginn an minimal halten. Ein ganz schönes Paket fand ich und konnte mir immer noch nicht so recht vorstellen, wie das funktionieren sollte.

Als es dann so weit war, hatte ich zugegebenermaßen Schwierigkeiten, mich „locker zu machen“, die Führung aus der Hand zu geben, aber unser Seminarleiter ging schon zu Veranstaltungsbeginn derart kompetent und souverän zu Werke, dass gar kein Raum für meine Befürchtungen blieb. Zum Auftakt wurde das ganze Team durch auflockernde Kennenlern-Übungen einbezogen und die ersten Berührungsängste gleich zerstreut. In kleinen Teams startend durchliefen wir verschiedene Herausforderungen draußen in der Natur und wuchsen dabei immer wieder mit einer anderen Gruppe zusammen, bis wir zuletzt mit der ganzen 24-köpfigen Mannschaft die Abschlussaufgabe meisterten. Schon zu diesem Zeitpunkt war von der anfänglichen Fremdheit nichts mehr zu spüren – sicher hatten die frische Luft und der gemeinsame Spaß ihren Anteil daran. Als nächstes ging es im Seminarraum weiter, wo wir anhand eingängiger Modelle wie z. B. der sogenannten Teamuhr erfuhren, wie sich ein Team phasenweise entwickelt und dass wir diese Entwicklung in jedem Fall durchlaufen würden, aber das Verständnis darüber den Prozess vereinfachen würde. Unser Seminarleiter stellte so geschickt die Verbindung zwischen Theorie und Praxis her, sodass gar keine Müdigkeit aufkommen konnte. Im Handumdrehen war der erste Seminartag zu Ende.

Der nächste Morgen brachte eine weitere Indoor-Einheit: Gemeinsam erarbeiteten wir Ziele, auch hier ausgehend von der Arbeit in Kleingruppen bis zum Zusammenführen der Ergebnisse im großen Kreis. Ziemlich schnell kristallisierte sich heraus, wo die meisten Überschneidungen lagen. Nach dem Lunch ging es weiter zum Aktivprojekt „Seilbrückenbau“. Aus Sicherheitsgründen stieß ein weiterer Trainer zu uns. Auf beiden Seiten eines natürlichen Einschnitts im Waldstück hinter unserem Seminarhaus wurden jeweils 12 Teilnehmer postiert und mit dem für den Brückenbau notwendigen Wissen und Material ausgestattet – jedoch beides nicht auf beiden Seiten. Es galt also, Wissen und Ressourcen sinnvoll zusammenzuführen, Strategien zu entwickeln, Pläne in die Tat umzusetzen und dabei das Zeitmanagement nicht aus dem Auge zu verlieren. Schnell baute sich ein spürbarer Leistungsdruck auf. Schließlich handelte es sich um ein hochanspruchsvolles Entwicklungs- und Konstruktionsprojekt, das klar definierten Sicherheitsanforderungen genügen musste! Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die größtenteils der schleppenden Rollenverteilung und Kommunikationshürden geschuldet waren, nahm das Projekt Gestalt an, sodass zuletzt alle 24 Teammitglieder die kleine Schlucht auf der selbst erbauten Seilkonstruktion sicher überqueren konnten.

Am Vormittag unseres dritten gemeinsamen Tages ließen wir das Erlebte Revue passieren: Was hatte uns erfolgreich gemacht? Was hatte uns behindert? Was würden wir beim nächsten Mal anders machen und welche Ansätze würden sich im Arbeitsalltag bewähren? Und – viel größer gedacht – wie sollte unsere gemeinsame Zukunft aussehen? Von welchen Werten sollte sie getragen sein?

Als Leiter des Teams war ich sehr gespannt, ob die Effekte des Trainings nachhaltig wären oder einfach im Arbeitsalltag verpuffen würden. Nach einigen Wochen konnte ich feststellen, dass zwar manches ein wenig in Vergessenheit geraten war, die grundsätzlichen Erkenntnisse sich aber gut etabliert hatten: Absprachen funktionierten gut, weil die Teammitglieder frei von Berührungsängsten waren und sich „live“ in verschiedenen Situationen erlebt hatten, es gab kaum Schnittstellenverluste, obwohl bei der Online-Kommunikation gerne Nuancen verloren gehen und die im Training definierten gemeinsamen Ziele hielten Stand - nicht zuletzt, weil unsere im Seminar erarbeiteten Poster die Bürowände unserer internationalen Niederlassungen zierten. Das Kick-off der etwas anderen Art war für uns also ein gelungener Startschuss für die Zusammenarbeit und Integration des neuen Projektteams.

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