10.09.2020 Hybrider Teamworkshop - das Beste aus beiden Welten

Branche: Papierherstellung, größeres mittelständisches Unternehmen im Schwarzwald

Ansprechpartner: Herr R. Scherer, Teamleitung Produktentwicklung

Teilnehmer: Team aus 11 Mitarbeitern – gerade im Neuaufbau

Die Ausgangssituation

Es wäre so schön gewesen – im Frühjahr wurde mir eine Verstärkung unseres Team durch zwei weitere Vollzeitkräfte genehmigt und dann kam Corona. Es ist schon unter normalen Umständen eine anspruchsvolle Aufgabe, ein bestehendes Team zu koordinieren und sinnvoll zu führen, unter Coronabedingungen wird es deutlich schwieriger. Und als nahezu unmöglich hat sich das Onboarding neuer Mitarbeiter erwiesen. Natürlich lassen sich Rechner einrichten, Vereinbarungen treffen und Aufgaben verteilen, aber ein wirklicher Bestandteil des Teams werden die „Neuen“, trotz aller Bemühungen auf diese Art nicht.

Im Juli konnten wir mit einem tatsächlich analog stattfindenden Treffen kurzfristig eine bessere Ebene im Team schaffen. Die Effekte verloren sich aber schnell wieder und mir fehlte die Idee, wie ich eine bessere Verbindung schaffen könnte, nachdem ein geplantes zweitägiges Meeting im Oktober wegen steigender Infektionszahlen leider gecancelt werden musste.

Ich musste miterleben, wie die Missverständnisse in der Kommunikation sich häuften und mein Team in der Wahrnehmung verschiedenster Belange immer mehr auseinanderdriftete.

Das Ziel

Mein Fokus lag also ganz klar auf Teamentwicklung. Nur konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie wir dieses Ziel auf klassischem Weg erreichen sollten, auch wenn die Coronazahlen in unserer Region, dem Schwarzwald, noch moderat ausfielen.

Die Umsetzung

Die Lösung war ein sogeanntes „hybrides“ Format. Das bedeutete in unserem Fall, dass ein Teil des Teamtrainings outdoor stattfand mit Teamübungen, bei denen die Hygieneregeln leicht eingehalten werden konnten – faszinatour erwies sich da als sehr kreativ. Sehr praktisch für uns war es, dass der faszinatour-Trainer direkt zu uns kam, so fielen für uns Anreiseorga und -kosten weg.

Die Fortsetzung am Folgetag nahm dann in digitaler Form die live erlebten Themen aus den Outdoor-Teamübungen auf und gab ihnen den theoretischen Unterbau.

Das analoge Zusammenkommen an Tag 1 verfolgte vor allem das Ziel, dass die Teilnehmer sich besser kennenlernen und durch gemeinsames Erleben Vertrauen aufbauen konnten. Schon vorab waren wir bestens über den Ablauf informiert, weil wir die Agenda per E-Mail bekamen. So konnte sich auch jeder z. B. schon auf seine kurze Selbstvorstellung vorbereiten.

Mit dieser stiegen wir am Veranstaltungstag in die Outdoor-Aktivitäten ein, die in Form von gemeinsam zu lösenden Aufgaben in eine kleine Wanderung eingebaut waren. Nach jeder Teamübung gab es eine kurze Reflexionsrunde, um die jeweiligen Learnings festzuhalten. Es zeichneten sich dabei Themenfelder ab, wie Kommunikation, Umgang mit Niederlage etc., als Inhalte für den nächsten Tag.

 

Zum Auftakt des zweiten Veranstaltungstages, also für den digitalen Teil, wählten wir uns alle in Zoom ein und trafen uns virtuell. Auch dieser Tag zielte auf Teamentwicklung ab mit dem Augenmerk darauf, Kommunikation und Kooperation weiter zu stärken. Geplant waren jeweils ein Vor- und ein Nachmittags-Meeting mit knapp zwei Stunden Dauer.

Nach einem Rückblick mit Zusammenfassung der Outddor-Aktion, dem Klären von Fragen und Erwartungen, legten wir direkt mit der theoretischen Annäherung ans Thema „Kommunikation“ los. Unser Trainer präsentierte Modelle, die das gegenseitige Verständnis verbessern, wie z. B. das „Sender-Empfänger-Modell“ als Hilfestellung für saubere Kommunikation und die „Informations-Verlusttreppe“ als Erklärung, warum oft nur ein Bruchteil kommunizierter Informationen tatsächlich ankommt.

Damit das Ganze nicht nur graue Theorie blieb, verließen wir nach dieser Einführung das gemeinsame Meeting und diskutierten in drei Breakoutrooms in Kleingruppen.  Verschiedene Fragestellungen wurden bearbeitet:

Was hat Kommunikation mit Vertrauen zu tun?

Welche digitale Meetingkultur pflegen wir? Was daran ist gut? Was können wir verbessern?

Außerdem sammelten wir im kleinen Kreis Ideen dazu, wie auch in digitalen Teams Nähe entstehen kann.

Nach einer kleinen Pause mit der Möglichkeit zum privaten Austausch kamen alle ins gemeinsame Meeting zurück. Jede Kleingruppe stellte ihre Antworten und Ideen im großen Kreis vor und unser Trainer fasste die gewonnenen Erkenntnisse und die daraus definierten Ziele zusammen.

In der zweiten Sitzung am Nachmittag ging es um unsere Möglichkeiten zur besseren Kooperation – zuerst wieder mit theoretischem Input, dann mit praktischen und sehr aufschlussreichen Übungen in Dreiergruppen zum Thema Feedback.

Zum Abschluss gab es im großen Kreis nochmals eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und die Gelegenheit für jeden, noch etwas beizutragen, seien es Statements oder Wünsche für die Zukunft.

Besonders gut gefallen hatte uns – neben der Bewegung und den Aktionen an der frischen Luft an Tag 1 -, dass der „digitale“ Tag 2 so unerwartet abwechslungsreich verlief. Durch die unterschiedlichen Thematiken und Gruppenzusammensetzungen gab es nie Durchhänger. Dazu trugen auch maßgeblich die gut eingeplanten Verschnaufpausen bei. Schließlich wissen wir inzwischen alle, dass Onlinetreffen richtig viel Konzentration erfordern.

Im Team konnte ich eine deutliche Annäherung feststellen. Ich bin der Meinung, dass dabei auch der analoge Veranstaltungsteil ein sehr große Rolle gespielt hat, weshalb ich mich freue, dass Präsenzveranstaltungen nicht „tot“ sind. Ich spreche aber auch für das ganze Team, wenn ich betone, dass die digital erarbeiteten Ideen und Regeln zum Onlineumgang miteinander uns einen großen Schritt weitergebracht haben. Und dabei hat das gemeinsame Erarbeiten sogar noch Spaß gemacht!